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Ulrike Kleinert

Ulrike Kleinert ist freischaffende Illustratorin und Webdesignerin aus Bochum im Ruhrgebiet. Sie ist seit ihrer Jugend Fantasy Fan und kann einer guten Geschichte einfach nicht widerstehen. Auf ihrer Homepage www.dreamaddiction.de finden sich sowohl traditionelle als auch digitale Bilder und vor allem viele Portraits. "Augen sind der Spiegel der Seele" heißt es, und damit kommen in einem guten Portrait Geschichte und Bild wieder zusammen und bilden mehr als die Summe ihrer Teile.

11 Fragen an Ulrike Kleinert

1. Wo befandest Du Dich und was hast Du gerade getan, als Du die Idee zu Deinem ersten  großen oder erfolgreichen Werk/Bild hattest.

UK: Das ist wirklich schwer zu sagen, weil ich erst angefangen habe erfolgreiche Bilder zu malen, als ich aufgehört habe speziefische Ideen umzusetzen. Statt dessen lasse ich inzwischen bei Bildern, die keine Auftragsarbeit sind das Bild sich einfach entwickeln und wachsen in welche Richtung es von sich aus möchte. Als erstes erfolgreiches Bild könnte man vielleicht „Tattooed Girl“ ansehen – damit habe ich vor einen halben Ewigkeit den Sprung nach Epilogue geschafft. Ich habe auf meinem Bett gelegen und konnte mich nicht ganz von den Augen irgendeines Katalogmodells losreißen. Obwohl ich nur ein 2 oder 3 Stunden Zeit hatte hab ich mir Papier und Stifte  geschnappt und einfach angefangen – ohne Skizze oder sonst etwas. Ziemlich schnell war die Vorlage aus meinem Kopf verschwunden und das Bild ist einfach Stück für Stück vor meinen Augen entstanden.


2. Was ist das für ein Gefühl, wenn man lange an einem Bild/einer Illustration gearbeitet hat und das Werk dann fertigstellt?

UK: Es ist ein tolles Gefühl. Wenn alles gut läuft fühlt es sich an wie aus einem Traum aufzuwachen und ich schaue auf das Bild runter und frage mich, ob das wirklich ich gemalt haben soll. Natürlich läuft es nicht immer so, und in vielen Fällen bedeuten grade die letzte Details an einem Bild einfach sehr viel Arbeit. In solchen Fällen bin ich dann eher erleichtert. Der wirklich heikle Part kommt aber danach – Ein Bild grade eben fertig gestellt zu haben ist ein bißchen wie frisch verliebt sein und ich bin selbst ein bißchen blind für die Fehler und verkrafte Ablehnung etwas schwer. Das wird besser sobald man ein neues Werk in Arbeit hat, dann fällt es leichter das Alte loszulassen.


3. Wie setzen sich Deine Kundschaft/Deine Auftraggeber zusammen?

UK: Bis jetzt sind noch recht viele Privatleute unter meinen Auftraggebern. Das ist schön für die Arbeit an sich – weil ich mehr mit persönlichen Vorstellungen als  Massenmarkt – Anforderungen zu tun habe, aber die perspektive ist natürlich etwas beschränkt. Die meißten meiner Kunden schreiben mehr oder weniger erfolgreich Geschichten, das ist etwas vor dem ich selbst große Hochachtug habe. Ansonsten arbeite ich für einige Rolenspielregelwerke und Hörspielproduktionen und mache inzwischen regelmäßig Plakate für eine Kinder-Lesung.

4. Was war das Merkwürdigste/ Beste/ Schrägste, was Du an Kommentaren für eines Deiner Werke erhalten hast?

UK: Das merkwürdigste war sicher eine alte Haß-Mail zu Elfwood Zeiten die sinngemäß mir vorgeworfen hat eine sexsüchtige Hexe zu sein und in sehr schlechtem englisch vorschlug ich wäre doch gar nicht so schlecht und solle versuchen auf den Pfad der Tugend zurückzufinden.
Das Denkwürdigste ist dagegen die Tatsache, daß ich ausgerechnet zu dem „Tattooed Girl“ - meiner ersten bekannteren Arbeit dutzendweise Kommentare bekommen habe, dass das Bild nicht nur ihrem Charakter sondern der Freundin, Schwester oder ihnen selbst sehr ähnlich sehen würde. Ich habe aber leider nie ein Photo bekommen um das zu überprüfen...


5. Welches nicht von Dir stammende Kunstwerk sollte man unbedingt kennen und warum?

UK: Wieder eine schwierige Frage. Klassische Malerei ist eigentlich nicht so meine Sache, aber einige der Bilder von Caspar David Friedrich sollte, wie ich finde, jeder gesehen haben. Das ist Symbolismus wie er sein sollte und eine Art von Spiritualität die einem nicht um die Ohren gehauen wird, aber dadurch umso eindringlicher ist. Bei den Fantasybildern fällt mir als erstes Luis Royo ein, der mein persönliches Schönheitsideal sehr weit geprägt hat. Speziell ein bestimmtes Portrait von einem Mädchen  mit einer Art Dornenkrone ist ein Bild, das mir viel bedeutet und das man meiner Meinung nach gesehen haben sollte. Ich denke aber, das die Bilder, die einen bewegen, etwas sehr persönliches sind, da ist es schwer Regeln aufzustellen.


6. Wann ist ein Bild/eine Illustration gut?

UK: Wenn sie etwas sagt, daß sich nicht in Worte fassen läßt. Die für mich besten Bilder lassen den Betrachter mit der gleichen Art von Sehnsucht zurück, die man vielleicht hat, wenn man aus einem Traum aufwacht.
Ich denke auch, daß ein gutes Bild immer etwas eigenes mitbringt, etwas, das es vor diesem Bild nicht gab. Das ist eigentlich keine große Sache – jeder Künstler legt ja in ein Bild etwas von sich selbst, daß das Bild unverwechselbar macht, auch wenn das Thema schon häufig gemalt worden ist. Kopien und abgemalte Photos können aber natürlich nur so gut werden wie die Vorlage – und die gibt es schon. Damit ist ein perfekt gemaltes Bild, das nur die Wirklichkeit wiedergibt für mich kein gutes Bild.



7. Was wolltest Du in einem Interview schon immer mal gefragt werden...und was würdest Du darauf antworten?

UK: Naja- das ist mein erstes Interview, deshalb habe ich eigentlich noch keine Fragen auf die ich warte, aber ich würde gern etwas zum Thema Talent und Inspiration sagen. Es ist beinahe schon Reflex soetwas zu sagen wie „Ich wünschte ich hätte nur einen kleinen Teil deines Talents“ oder darüber zu reden welche Muse und Inspiration einen quält oder eben begünstigt. Schade ist, daß sich viele Anfänger davon abschrecken lassen, daß sie glauben kein Talent zu haben oder sich auf eine ewige Suche nach der richtigen Inspiration begeben. Natürlich tun sich manche Menschen beim Zeichen/Malen lernen leichter als andere – aber viel wichtiger ist eigentlich die Liebe zu dem was man tut. Talent ist so ein flüchtiger Begriff, etwas auf das man keinen Einfluss hat, aber ich denke die eigentliche Frage ist: „Liebe ich das was ich tue genug um Jahre lang zu üben, Blatt um Blatt mit Zeichnungen zu füllen, die eben nicht perfekt sind, bevor das erste Bild dabei herauskommt, das wirklich gut ist?“ Genauso ist Inspiration überall zu finden – man muß nur lernen, hinzusehen. Offene Augen, Neugierde und Liebe zum Malen sind unglaublich viel wichtiger als Talent und weltbewegende Visionen.


 
8. Bleibt Dir neben dem Zeichnen/Malen auch noch Zeit für Hobbys und falls ja, welche wären das?

UK: Das ist leider sehr klassisch – ich lese viel und gern. Um ehrlich zu sein, könnte ich eher eine Weile lang ohne Bilder auskommen als ohne neue Bücher und ich bin leidenschaftliche, wenn auch unfähige Computerspielerin. Vor allem japanische RPGs und Actionspiele mit viel Geschichte (ok, das wundert jetzt niemanden).Ab und zu spiele ich immer noch mit dem Gedanken, mein eigenes Spiel zu schreiben.  Inzwischen bin ich auch wieder in einer Pen&Paper RPG Runde, nach längerer Abstinenz. In Bezug auf meine Hobbies bin ich leider nicht besonders originell, aber die Dinge die man liebt sucht man sich ja nicht aus einer Liste aus.


9. Wie reagierst Du auf Kritik?

UK: Das kommt auf die Art der Kritik, Denjenigen, der sie äußert und das Bild an. Wenn ich an einem persönlichen Projekt arbeite und es womöglich grade erst fertig ist, trifft mich jede Art von Kritik sehr hart. Ich reagiere dann auch entweder gar nicht oder eher patzig, einfach weil Kommentare mich dann für Tage aufbauen oder deprimieren können. Bei Auftragsarbeiten oder Bildern, bei denen ich Techniken ausprobiere oder die für einen bestimmten Zweck bestimmt sind, sieht das anders aus. Da weiß ich von vorne herein, daß ich jemand anderes Ideen umsetze und versuche einen guten Konsens zu finden. In dem Fall macht es mir nicht viel aus zum 3. mal ein bestimmtes Detail zu ändern bis wir irgendwann beide zufrieden sind – ich verstehe Kritik dann eher als Teil der Teamarbeit. Ebenso wenn ich während des Malens jemand Bestimmtes um Hilfe oder Kritik bitte. Vielleicht ist es etwas unfair, aber zu jedem Bild Schwachpunkte und Kritiken aufzuzählen kommt mir wie eine aktuelle Mode vor. Als könnte man sich nicht mit einem Bild beschäftigt haben, wenn man nicht aufzählen kann, was damit falsch ist. Ich finde das eher schade, weil man sich selbst damit einen Teil des Zaubers nimmt. Und ein fehlerloses Bild ist nicht dasselbe wie ein gutes Bild.


10. Wenn Du vier Personen zum Tee oder auf ein Bierchen einladen könntest, lebend oder tot: Wer wäre es und warum?

UK: Nun, zunächst einmal Linda Bergkvist, die nicht nur meinen Stil beeinflusst hat, sondern sich in ihrem Forum auch um mich und andere Anfänger bemüht hat und der ich viel verdanke. Ich würde sie gern mal persönlich kennen lernen. Etwas mehr aus der Luft gegriffen: Stephen King. Spätestens seit ich ein paar seiner Bücher über das Schreiben gelesen habe halte ich ihn für einen sehr tollen und interessanten Menschen von dem man nicht nur viel lernen kann, sondern der wahrscheinlich auch viel Spaß macht. Unter den Toten fasziniert mich Leonardo da Vinci – einfach weil er eben nicht nur Maler sondern Erfinder und Philosoph war. Das ist etwas was ich sehr bewundere. Etwas weniger ernsthaft: irgendeinen richtigen Magier, der mir das Zaubern beibringt! Das wollte ich schon als kleines Kind können und was könnte ich dann nicht alles malen und tun..


11. Wie ist Dein persönliches Ritual wenn Du an Deinen Werken arbeitest (was braucht es zum Zeichnen/Malen)?

UK: Ein bestimmtes Ritual habe ich eigentlich nicht, aber ich kann mich auf kreative Aufgaben nachts besser konzentrieren. Gleichzeitig werde ich irgendwann unruhig wenn ich gar keinen Input bekomme, deshalb laufen normalerweise Fernseher oder Radio. Wirklich zuschauen tue ich dabei eigentlich nicht, es geht mehr um das Gefühl, das in der Welt da draußen Zeit vergeht und ich nicht ganz allein auf der Welt bin, auch wenn ich für mich bleibe. Außerdem ist ein Bild für mich nie wirklich fertig bevor ich es nicht jemandem gezeigt habe. Es muß nicht kritisiert oder bewertet werden, aber ein Bild das niemand außer mir selbst gesehen hat ist einfach noch nicht wirklich da.