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Bernd Perplies, geboren 1977 in Wiesbaden, studierte Filmwissenschaft, Germanistik, Buchwissenschaft und Psychologie in Mainz und arbeitet heute im Deutschen Filminstitut - DIF in Frankfurt am Main. Darüber hinaus ist er freiberuflich als Schriftsteller, Übersetzer und Journalist tätig, unter anderem für das Rollenspiel-Rezensions-Portal Ringbote.de, das Genre-Magazin "Space View" und für Pegasus Spiele.

Im August 2008 erschien sein Debütroman Tarean - Sohn des Fluchbringers, im Oktober das Abenteuer-Spielbuch Der Hexer von Salem 2 - Das schleichende Grauen, das er gemeinsam mit Christian Humberg verfasste.

Bernd Perplies lebt in Mainz, zusammen mit etwa 1000 Büchern und einer einzelnen tapferen Grünpflanze.

 

(Text und Foto mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Literaturagentur Schmidt & Abrahams)

11 Fragen an Bernd Perplies

1. Wo befandest Du Dich und was hast Du gerade getan, als Du die Idee zu Deinem ersten Roman hattest.

BP: Ich saß 1997 in meiner Studentenbude, hatte „Das Handbuch zum Drehbuch“ von Syd Field auf dem Schoß liegen und die feste Absicht im Kopf, das Buch von vorne bis hinten durchzuarbeiten, um zu prüfen, ob so eine Anleitung ihr Geld wirklich wert ist. Natürlich sollte das Drehbuch, das ich zu verfassen gedachte, eine Fantasygeschichte sein. Irgendwann fiel mir auf, dass ich hier meine Zeit verschwendete. Niemand würde jemals einen deutschen Fantasyfilm für 100 Millionen Euro drehen (das war so das grob veranschlagte Budget). Also speicherte ich das Konzept auf meiner Festplatte und ließ die Dateien knappe 10 Jahre gemächlich vor sich hin fragmentieren. Als sich meine kreativen Ambitionen schließlich Büchern statt Filmen zuwandten, holte ich das Konzept wieder hervor, übersprang den Punkt, eine Idee haben zu müssen und machte mich nach ein wenig Feinschliff sogleich ans Schreiben.


2. Was ist das für ein Gefühl, wenn man Monate an einem Roman gearbeitet hat und das Buch dann beendet?


BP: Hurra! Hossa! Heureka! Freizeit, Freunde, Kino, Irish Pub, 8-Stunden-Schlaf-pro-Nacht: Ich komme! … Hm, da fällt mir gerade etwas ein, was ich im nächsten Roman unterbringen könnte. Vielleicht sollte ich das noch rasch aufschreiben …


3. Wie setzt sich Deine Leserschaft zusammen?


BP: Ich bin mir nicht sicher, ob eine Leserunde, eine Hand voll Fan-Emails und mein Bekanntenkreis repräsentativ sind, aber wenn, dann habe ich Leser zwischen 14 und 60 Jahren, gleichermaßen Fantasy-Aficionados und Menschen, die diesem Genre normalerweise abstinent sind. Es sind sowohl Männer als auch Frauen darunter, wobei die Frauenrate leicht überwiegt, aber ich glaube, dass das so ungefähr in jedem literarischen Genre abgesehen von der Science-Fiction der Fall ist. Weitere statistische Angaben befinden sich noch im Status der Erhebung.


4. Was war das Merkwürdigste/ Beste/ Schrägste, was Du an Kommentaren für eines Deiner Werke erhalten hast?

BP: „Worum geht es in „Tarean – Sohn des Fluchbringers“?“ – „Hanni und Nanni ziehen in den Krieg. Das Gute gewinnt.“ Besser hätte ich es auch nicht zusammenfassen können.


5. Welches nicht von Dir stammende Buch sollte man unbedingt gelesen haben und warum?

BP: „Die Brautprinzessin“ von William Goldman. Schon der Film war großartig, und das Buch soll noch besser sein. Gelesen habe ich es nicht. Aber die Frage lautete ja auch nicht, welches der Bücher, die ich gelesen habe, mir am Besten gefallen hat, sondern welches man unbedingt gelesen haben sollte. Ich plane, meinem Lese-Tipp alsbald Folge zu leisten.


6. Wann ist ein Text /eine Geschichte gut?


BP: Wenn es dem Autor gelingt, das Publikum, für das er schreiben möchte, gut zu unterhalten. Man muss nicht mit jedem Roman versuchen, inhaltlich oder vor allem stilistisch das Rad neu zu erfinden. (Ganz schlimme Unart bei manchen aktuellen Genre-Geschichten: Sie sind so verworren erzählt, dass sie zwar anspruchsvoll wirken, aber überhaupt keinen Spaß mehr zu lesen machen.) Wenn die Leserschaft sagt „Mit diesem Buch hatte ich Spaß!“, dann ist eine Geschichte meines Erachtens gelungen.


7. Was wolltest Du in einem Interview schon immer mal gefragt werden...und was würdest Du darauf antworten?

BP: He, diese Frage stelle ich immer, wenn mir sonst nichts mehr einfällt und ich darauf hoffe, dass der Interviewte daraufhin etwas Kurioses über sich preis gibt! Wie wäre es damit: „Ist der Name Calvas (Bösewicht aus „Tarean – Sohn des Fluchbringers“) wirklich von Calvados (Apfelbranntwein aus der Normandie) abgeleitet?“ Antwort: „Nein. Und ich verbitte mir, dass dieses absolut aus der Luft gegriffene Gerücht weiter verbreitet wird!“


8. Hast Du neben dem Schreiben noch Zeit für Hobbys und falls ja, welche wären das?

BP: Ich höre gerne Live-Jazz, rauche kubanische Zigarren, trinke guten Whiskey und mache mit meinem Sportwagen Wochenendspritztouren ins Grüne. Okay, alles gelogen. Aber es klingt viel cooler, als wenn ich schreiben würde: Ich lese viel, schaue gerne DVDs, spiele Rollenspiel und veranstalte Brettspiel-Marathons. Zum Glück bin ich Schriftsteller und darf mir dichterische Freiheiten herausnehmen.


9. Wie reagierst Du auf Kritik?

BP: Bevorzugt mit einer mentalen LGM-30G Minuteman III mit 335 Kilotonnen W-78/Mk.12A-Dreifach-Sprengkopf. Wenn ich in besserer Stimmung bin, filtere ich die Kritikpunkte, denen ich im Grunde zustimme, heraus und versuche, sie beim nächsten Projekt zu berücksichtigen – und über den Rest lächle ich milde.


10. Wenn Du vier Personen zum Tee oder auf ein Bierchen einladen könntest, lebend oder tot: Wer wäre es und warum?


BP: Sue Rostoni, Shelley Shapiro, Lucy Autrey Wilson und Leeland Chee – das sind die vier Leute, denen „Star Wars“-Autoren in ihren Romanen immer danken, weil sie die Macht™ haben, Schriftsteller in diesem großartigen Universum spielen zu lassen. Denen würde ich einen Tee, ein Bier oder was immer sie trinken wollen ausgeben, wenn ich dafür auch einen „Star Wars“-Roman schreiben dürfte!


11. Wie ist Dein persönliches Schreibritual (was braucht es zum Schreiben)?


BP: Ich habe ehrlich gesagt keine Schreibrituale. Ich brauche – ganz unromantisch – einen Computer, Zeit und viel Ruhe. Je weniger visuellen oder akustischen Ablenkungen ich ausgesetzt bin, desto besser. Denn diesen Wesenszug teile ich mit dem Irrlicht Moosbeere: Ich lasse mich verdammt leicht von Kleinigkeiten ablenken – nicht eben Käfern oder glitzernden Steinen, aber den Büchern in meinem Regal, einem Sommernachmittag vor dem Fenster oder dieser diabolischen Erfindung namens Internet.